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Winter 2024

  • Zwischenruf-Podcast zur Jubiläumstagung "75 Jahre Fraktionen im Deutschen Bundestag"
  • Wahlrecht: Neuer Blickpunkt und Erklärvideo
  • Folgeprojekt zur Kandidatenaufstellung für den Deutschen Bundestag
  • Interviews zur Kandidatenaufstellung und zu Parlamenten in der Pandemie
  • Anmeldung zur Frühjahrsakademie
  • Forschungskolloquium: Neue Termine
  • Demokratie und Kompromisse
  • Publikationen: Wahlen in Großbritannien und Irland, Repräsentation im Bundesrat, Konflikte im Bundestag und Rechtsprechung der Verfassungsgerichte
IParl-Podcast Zwischenruf

Fraktionen sind der Motor der parlamentarischen Demokratie – unter dieser Überschrift stand eine zweitägige Konferenz, die das IParl zusammen mit der DVParl am 17. und 18. Oktober 2024 veranstaltete. Neben der institutionellen Stellung und Funktionsweise von Fraktionen in Deutschland wurde auch eine vergleichende Perspektive (u.a. auf Großbritannien, Österreich und die Türkei) eingenommen. Wer die Konferenz verpasst hat, kann in dieser und der nächsten Episode des Zwischenruf-Podcasts die Diskussionen und ihre Kernaussagen in gekürzter Form verfolgen. In der ersten Folge geht es um Fraktionen in Deutschland. Was sind Fraktionen, wie arbeiten sie und was haben sie mit Hühnerhaufen gemein? Einen schriftlichen Bericht der Tagung hat das pw-portal veröffentlicht. 

Folge 23: Hühnerhaufen oder Bürokratie? Fraktionen als Motor des Parlaments
mit Bärbel Bas, Danny Schindler, Horst Risse, Marc Geddes, Norbert Lammert, Astrid Kuhn, Martin Morlok, Suzanne S. Schüttemeyer, Armand Zorn, Alexandra Bäcker, Werner J. Patzelt, Sven T. Siefken, Konstantin Kuhle, Melanie Walter-Rogg und Wolfgang Zeh

Blickpunkt aktuell
Dokumentvorschau Blickpunkt

Im Juli hat das Bundesverfassungsgericht zum neuen Bundestagswahlrecht geurteilt und – so Daniel Hellmann im IParl-Blickpunkt aktuell – die Reform der Ampelfraktionen im Kern bestätigt. Der Blickpunkt beleuchtet die Argumentation des Gerichts. Wieso ist die Zweitstimmendeckung zulässig? Aus welchen Gründen wurde die Streichung der Grundmandatsklausel rückgängig gemacht? Und: kehrt damit Ruhe in die Wahlrechtsdebatte ein? 

Blickpunkt aktuell Nr. 2: Grünes Licht aus Karlsruhe: Was das Bundesverfassungsgerichtsurteil für das neue Bundestagswahlrecht bedeutet
von Daniel Hellmann

Wahlrecht erklärt – jetzt als Video

Wenn im Februar voraussichtlich der neue Bundestag gewählt wird, kommt dabei erstmalig das neue Bundestagswahlrecht zur Anwendung. Wie Erst- und Zweitstimme wirken, wie Ober- und Unterverteilung funktionieren und wieso es künftig keine Überhangmandate mehr geben wird, erklären IParl-Fellow Sven T. Siefken (Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung) und Daniel Hellmann in ihrem Video zur Wahlrechtsreform auf YouTube.

Anschauen
Aufbauprojekt zur Kandidatenaufstellung zum Deutschen Bundestag

Zeitfragen sind Machtfragen und sollten in ihren Auswirkungen deshalb nicht unterschätzt werden. Aus diesem Blickwinkel untersucht ein IParl-Forschungsprojekt erneut die Kandidatenaufstellung für den nächsten Deutschen Bundestag, die wegen der um ein gutes halbes Jahr vorgezogenen Wahl unter erheblichem Termindruck vorgenommen werden muss. Beleuchtet werden u.a. die zeitliche Organisation des Aufstellungsprozesses sowie geografische Unterschiede. Daher läuft die Feldforschung aktuell auf Hochtouren. 

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Interviews zu Forschungsprojekten: Kandidatenaufstellung und Parlamente in der Pandemie

Funktionierende Parlamente brauchen fähige Parlamentarier. Insofern kommt der innerparteilichen Auswahl der Kandidaten für Abgeordnetenmandate eine entscheidende Bedeutung für die Funktionsfähigkeit der repräsentativen Demokratie zu. Über die neue IParl-Studie zur Kandidatenaufstellung haben Suzanne S. Schüttemeyer und Danny Schindler mit David Kirchner vom pw-Portal gesprochen. 

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Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag vieler Menschen verändert, so auch den von Abgeordneten weltweit. Wie Parlamente mit der Corona-Pandemie umgegangen sind und ihre Arbeitsweise angepasst haben, untersucht das Projekt „Parliaments in the Pandemic“ (PiP). Für das pw-Portal haben Sven T. Siefken und Petra Guasti mit Jan Meyer über ihre Erkenntnisse gesprochen, die beim 6. PiP-Workshop in den Räumlichkeiten der Stiftung Wissenschaft und Demokratie in Kiel zusammengetragen wurden.

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Zweite Berliner Frühjahrsakademie

Es ist wieder so weit! Das Institut für Parlamentarismusforschung (IParl) wird im März kommenden Jahres seine zweite Berliner Frühjahrsakademie zum Parlamentarismus veranstalten. Mit diesem Angebot möchte das IParl den wissenschaftlichen Nachwuchs mit dem Schwerpunkt in der Parlamentarismus-, Abgeordneten- und Parteienforschung fördern. Im Rahmen des fünftägigen Tagungsprogramms werden Inhalte und Methoden der Parlamentarismusforschung praxisnah vermittelt, u.a. auch durch den Direktor beim Deutschen Bundestag sowie Besuche im Bundestag und im Bundesrat. Anmelden kann man sich noch bis zum 15. Dezember 2024 unter akademie@iparl.de. Wir freuen uns auf Euch!

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IParl-Forschungskolloquium

Ob und wie der Deutsche Bundestag zwischen 2001 und 2014 den Afghanistan-Einsatz kontrolliert hat, untersucht Florentin Siegert von der Universität Potsdam im Rahmen seines Dissertationsprojektes, das er am 9. Januar präsentiert. 

Maura Kratz von der der FU Berlin wird am 16. Januar ihr Dissertationsprojekt „Sollen oder wollen Frauen nicht? Eine parteivergleichende Untersuchung der Aspirantinnen und Direktkandidatinnen zur Bundestagswahl 2025“ vorstellen. 

Am 13. Februar wird Moritz Wiesenthal, Referent im Niedersächsischen Landesministerium für Bundes- und Europangelegenheiten und Regionale Entwicklung,  Einblicke in seine Dissertation „Abstieg in den Maschinenraum: Namentliche Abstimmungen in den Ausschüssen des Europäischen Parlamentes“ geben.

Das Kolloquium findet jeweils von 10:30 bis 12:30 Uhr im IParl als hybride Veranstaltung statt. Bei Interesse an einer Teilnahme in Präsenz oder online schreiben Sie bitte eine E-Mail an pyschny@iparl.de. 

Ablaufplan

 

Liebe unter Stachelschweinen

Unter dem Titel „Demokratie und Kompromiss. Das Politische in Gruppen, Gremien und Teams“ lud die Schader-Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsdynamik (DGGO) und dem interdisziplinären Forschungsverbund „Kulturen des Kompromisses“ (Universität Münster) zu einer Tagung nach Darmstadt ein. Danny Schindler und Brigitte Zypries sprachen im Rahmen dieser Veranstaltung darüber, wie Kompromissmanagement in der Politik gelingt und die Wertschätzung des Kompromisses in der Gesellschaft gestärkt werden kann. Das ganze Gespräch gibt es jetzt auch bei YouTube zu sehen. 

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Publikationen

Während die Institutionalisierung von Parlamenten, Parteien und Parteiensystemen bereits eingehend erforscht ist, finden Fraktionen nur am Rande wissenschaftliche Beachtung. Dabei trägt deren Institutionalisierung zur personellen und organisatorischen Stabilisierung des Parlamentsbetriebs bei. Danny Schindler und Oliver Kannenberg entwickeln aus vergleichender Perspektive ein Institutionalisierungskonzept, das zur Untersuchung von Fraktionen in neuen und alten Demokratien sowie in nicht-demokratischen Systemen angewendet werden kann. 

Danny Schindler und Oliver Kannenberg: The institutionalisation of parliamentary party groups. Towards a concept, in: The Journal of Legislative Studies, online first.

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In der Politischen Kultur Deutschlands, die bisher grundsätzlich auf Kompromiss ausgerichtet war, können sichtbare Konflikte zu Vertrauensverlusten in der Wählerschaft beitragen. Angefangen bei der Corona-Pandemie und dem verschärften Tonfall durch den Einzug der AfD in den Bundestag über den Streit in der Ampelkoalition bis hin zur Neuaufstellung der CDU/CSU als Oppositionspartei zeichnet Sven T. Siefken die Konflikte in der 20. Wahlperiode nach. Ob neue Institutionen wie Bürgerräte helfen, das Vertrauensdefizit aufzufangen, bleibt abzuwarten. 

Sven T. Siefken: Konflikte im Hohen Haus: Gründe und Folgen der stärker sichtbaren Auseinandersetzungen im 20. Deutschen Bundestag, in: INDES Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1/2 2024, S. 28-35.

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Seitdem die AfD in einige Landesparlamente und in den Bundestag gewählt wurde, ist sie Dauergast in Karlsruhe. Keine andere Oppositionspartei führt so viele Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Die meisten dieser Klagen betreffen das Parlament, die Herzkammer der Demokratie. Die AfD kündigt dabei – so Astrid Kuhn – den Konsens über Parlamentsarbeit und Parlamentstradition auf. Das Bundesverfassungsgericht ist gefragt, hier Orientierung zu geben und seine ambivalente Haltung gegenüber in der Praxis gefestigten Strukturmerkmalen der parlamentarischen Demokratie aufzuarbeiten.

Astrid Kuhn: Die Geister, die es rief: Die Rolle des Bundesverfassungsgerichts in Zeiten herausgeforderter parlamentarischer Demokratie, in: INDES Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1/2 2024, S. 15-20.

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Die Landesverfassungen und die Rechtsprechung der Gerichte prägen die Arbeit und Normen der Parlamentsarbeit. Kevin Settles hat die parlamentsrechtliche Judikatur der sechzehn Landesverfassungsgerichte zwischen 2018 und 2023 zusammengestellt. Der Übersicht umfasst nahezu 100 Entscheidungen, die kategorisiert und kurz zusammengefasst sind. 

Kevin W. Settles: Parlamentsrechtlich relevante Judikatur der Landesverfassungsgerichte 2018 bis 2023. Eine Übersicht, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), 55. Jg. (2024), H. 3, S. 506-518.

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Das irische Parteiensystem galt lange als Sonderfall. Dieser beruhte auf einer Parteienlandschaft ohne Links-Rechts-Achse, ohne Ausrichtung an der Sozialstruktur, mit pragmatischen Koalitionen und dem Tabu eines Bündnisses der programmatisch sehr ähnlich Bürgerkriegsparteien Fianna Fáil und Fine Gael. Die irischen Parlamentswahlen seit 2011 stellen die meisten dieser Annahmen in Frage. IParl-Fellow Roland Sturm beleuchtet, wie es dazu gekommen ist.

Roland Sturm: Die „Normalisierung“ des irischen Parteiensystems: Pluralismus und Koalitionspolitik, in: Zeitschrift für Politik (ZfP), 71. Jg. (2024), H. 4, S. 264-276.

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Nach 14 Jahren in der Opposition ist die britische Labour-Partei wieder in Regierungsverantwortung. Dabei müssen ungelöste innerparteiliche Konflikte gelöst, eine strauchelnde Wirtschaft stabilisiert und das Problem der schottischen Unabhängigkeitsbewegung gehandhabt werden. Roland Sturm analysiert, was die jüngste Unterhauswahl für die künftige Entwicklung des britischen Parteiensystems bedeutet. 

Roland Sturm: Ein weiterer Erdrutschsieg: Die britischen Parlamentswahlen vom 4. Juli 2024, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), 55. Jg. (2024), H. 3, S. 574-587.

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Als nicht rechtlich, aber faktisch Zweite Kammer übernimmt auch der Bundesrat Repräsentationsaufgaben. Aber wen vertreten seine Mitglieder und wie tun sie das? Diesen Fragen haben sich Calixte Bloquet und Franziska Carstensen in ihrem Beitrag im Jahrbuch des Föderalismus 2024 angenommen und herausgearbeitet, dass die Ministerpräsidenten und Landesminister als Bundesratsmitglieder nicht – wie man denken sollte – nur ihre Länder vertreten. Stattdessen unterhalten sie vielfältige Repräsentationsbeziehungen.

Calixte Bloquet und Franziska Carstensen: Members of the German Bundesrat: (How/Who/From Where) Do they represent?, in: Europäisches Zentrum für Föderalismus-Forschung Tübingen (EZFF) (Hrsg.): Jahrbuch des Föderalismus 2024. Föderalismus, Subsidiarität und Regionen in Europa, Baden-Baden 2024, S. 246-259. 

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