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2-2025

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Liebe Leser*innen, 

wie steht es um die Demokratie? Die Antwort auf diese Frage scheint seit einigen Jahren recht einhellig auszufallen. Die Medien überschlagen sich mit Hiobsbotschaften und auch die meisten Politikwissenschaftler*innen sind sich - bei aller Uneinigkeit über die Gründe - einig in der Einschätzung, dass „die (liberale) Demokratie“ in einer existenziellen Krise steckt. Ein Blick auf die Buchtitel der letzten Jahre lässt Böses erahnen, denn da ist von „Demokratiedämmerung“ oder gleich vom „Sterben“, der „Regression“ oder den „Krisen“ der Demokratie die Rede. Hat die Demokratie also überhaupt eine Zukunft und wie könnte diese aussehen? Was müsste geschehen, um die Demokratie krisenfest zu machen? Diesen Fragen möchten wir in unserem kommenden Schwerpunkt zur Zukunft der Demokratie nachgehen. Dabei soll es sowohl um den Begriff der Demokratie selbst als auch um wichtige aktuelle Entwicklungen gehen. Schließlich hängt die Beurteilung des Zustands und der Zukunftsaussichten der Demokratie maßgeblich mit dem zugrundeliegenden Demokratieverständnis zusammen. Dabei werden wir ein besonderes Augenmerk auf die demokratischen Institutionen und mögliche Reformoptionen legen. Und nicht zuletzt möchten wir über die Rolle der Politikwissenschaft reflektieren, die sich in der Bundesrepublik seit 1945 in weiten Teilen als Demokratiewissenschaft versteht.

Damit knüpfen wir an unseren ersten Schwerpunkt des Jahres an, der sich mit der Ausgangslage, den Ergebnissen sowie den Auswirkungen der Bundestagswahl befasst hat. Vor der Wahl skizzierte Sicherheitsexpertin Ulrike Franke die zentralen sicherheitspolitischen Herausforderungen für die künftige Bundesregierung und die Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger erklärte, wieso das BSW aus ihrer Sicht gegen das Gebot der innerparteilichen Demokratie verstößt. Werner Krause und Christina Gahn berichteten von ihrer Forschung zu der Frage, welchen Einfluss es auf den Wahlerfolg von Parteien hat, wenn sie in Umfragen vor einer Wahl unter der Sperrklausel liegen und was man als Wähler*in über die statistischen Unsicherheiten von Umfragen wissen sollte. Zudem schilderte Daniel Hellmann den langen Weg, bis ein Name auf dem Stimmzettel landet und Danny Schindler und Calixte Bloquet beschrieben, welche Rolle die wahrgenommene Attraktivität von Kandidat*innen im innerparteilichen Auswahlprozess spielt. Nach der Wahl sprachen wir noch mit dem politikwissenschaftlichen Buchpreisgewinner Lukas Haffert über die politische Geografie der Bundesrepublik und die Auswirkungen des Stadt-Land-Gegensatzes auf das Wahlergebnis. Zudem veröffentlichten wir (teilweise erstmals auf Deutsch) sechs Research Briefs des Progressive Politics Research Networks, die auf Basis des politikwissenschaftlichen Forschungsstands einige Mythen zu progressiven Parteien und ihren Wähler*innen entkräfteten.

Nachfolgend finden Sie wie gewohnt ausgewählte Beiträge aus den letzten Monaten, politikwissenschaftliche Buchempfehlungen sowie Hinweise auf bevorstehende Veranstaltungen. Wir freuen uns, wenn Sie uns gewogen bleiben und das pw-portal weiterempfehlen.

Mit den besten Grüßen 

Ihre Redaktion 

 
Best of Beiträge
Themenfarbe Außen- und Sicherheitspolitik
Dana Schmalz: Das Bevölkerungsargument. Wie die Sorge vor zu vielen Menschen Politik beeinflusst

Wie wird die Angst vor Überbevölkerung politisch eingesetzt? Dana Schmalz zeigt, wie Bevölkerungswachstum oft als Sündenbock genutzt wird, um soziale Ungleichheit zu legitimieren. Sie kritisiert den malthusianischen Fokus auf Bevölkerungswachstum in der Klimapolitik und betont die Notwendigkeit, globale soziale Gerechtigkeit in den Vordergrund zu stellen. Susanne Schultz lobt die klare Analyse, bemängelt jedoch eine fehlende hegemonietheoretische Perspektive.

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Themenfarbe Demokratie und Frieden
William Partlett: Why the Russian Constitution Matters. The Constitutional Dark Arts

William Partlett analysiert die Verfassung als „the forgotten foundation of Russian authoritarianism since 1993“ und lehnt die Einordnung Russlands als semipräsidentielles Regierungssystem ab. Dem Buch sei „eine breite Rezeption zu wünschen“, so Petra Stykow. Dies gelte aber nicht für den Einsatz von Fantasy-Begriffen wie „constitutional dark arts“ zur Analyse von nicht-demokratischen Dynamiken, die sachliche Argumente überschatten.

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Themenfarbe Repräsentation und Parlamentarismus
Politikwissenschaftler Jungherr: „Warnungen vor Desinformation als große Gefahr für die Demokratie sind übertrieben“

Im Interview mit David Kirchner spricht Andreas Jungherr über den Forschungsstand zu Desinformation und ihren Auswirkungen auf die öffentliche Meinungsbildung. Was wissen wir über die Verbreitung, die Funktionsweise und die politischen Effekte von Desinformation? Warum wird ihre Gefährlichkeit für die Demokratie häufig dramatisiert? Und wie transformiert die Digitalisierung politische Öffentlichkeit?

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Themenfarbe Das Fach Politikwissenschaft
„Zwischen Fake News, Demokratiefeindlichkeit und Wissenschaftsskepsis“-Kolloquium der Friedens- und Konfliktforschung (AFK)

Josef Mühlbauer berichtet über Theorien, Debatten und Trennlinien beim diesjährigen Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK), das vom 19. bis 21. März 2025 an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) stattfand.

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Buchempfehlungen
Foto von Andreas Jungherr

Andreas Jungherr ist Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Digitale Transformation, an der Uni Bamberg. Er erforscht den wechselseitigen Einfluss von Digitalisierung und Politik, insbesondere die Rolle von KI in Demokratie und Öffentlichkeit. | Bildquelle: Uni Bamberg

Welches Buch sollte man gelesen haben, um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Zukunft der Demokratie zu verstehen?

Ajay Agrawal, Joshua Gans, Avi Goldfarb (2018): Prediction Machines: The Simple Economics of Artificial Intelligence

In der Politikwissenschaft ist der Blick auf Künstliche Intelligenz oft noch unscharf. Dabei lohnt es sich, Entwicklungen frühzeitig einzuordnen. Prediction Machines von Ajay Agrawal, Joshua Gans und Avi Goldfarb liefert hierfür wertvolle Impulse. Die Autoren verstehen KI als Technik zur kostengünstigen Vorhersage fehlender Informationen. Dieser Ansatz hilft, KI-Folgen systematisch zu modellieren: Die Autoren prognostizieren, eine ähnliche Entwicklung, wie bei der frühen Verbreitung von Elektrizität. Zunächst werden bestehende Prozesse effizienter gestaltet, anschließend entstehen völlig neue Strukturen und Anwendungen. Für die Analyse politischer Wirkungen von KI bietet das Buch einen klar strukturierte Rahmen und spannende Perspektiven.

Foto von David Kirchner

David Kirchner ist Redakteur beim Portal für Politikwissenschaft. Sein Interessengebiet umfasst theoretische und empirische Fragen rund um das Thema Demokratie. | Bildquelle: SW&D

Was liest die Redaktion?

John McCormick (2024): Machiavelli und der populistische Schmerzensschrei

Spätestens seit mit Elon Musk der reichste Mensch der Welt eine exklusive Sonderrolle innerhalb der US-Regierung genießt, ist die Diagnose der Demokratiegefährdung durch Oligarchisierung auch im öffentlichen Diskurs angekommen. John McCormick, Professor für Politikwissenschaft in Chicago, warnt seit langem vor den Gefahren politischer Einflussnahme von Reichen auf demokratische Gemeinwesen. Um diese „Anmaßung der Wenigen“ zu stoppen, plädiert er mit Machiavelli für „klassensensitive Institutionen“, die es den Bürger*innen erlauben sollen, den Einfluss von Eliten zurückzudrängen. Man muss weder Machiavelli-Kenner sein noch alle Vorschläge McCormicks überzeugend finden, um in dem Buch eine gewinnbringende Perspektive auf die gegenwärtige Krise der Demokratie zu finden.

 
Wiederentdeckt

In seiner zum Klassiker avancierten Studie "Res publica amissa" beschreibt der Althistoriker Christian Meier die Krise der späten römischen Republik, die bekanntlich in deren Untergang mündete. „Krise ohne Alternative“ lautet seine Formel für ein Gemeinweisen, das seine Probleme strukturell nicht mehr bewältigen kann, in dem aber alle Wege zu möglichen Alternativen zur bestehenden Ordnung verstellt sind. Die Parallelen zur gegenwärtigen politischen Konstellation liegen nicht nur für die USA auf der Hand. Die Legitimationskrise der globalisierten, liberalen Demokratie ist evident, doch politische Optionen zu ihrer Bearbeitung oder gar Überwindung sind kaum in Sicht. 

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Bevorstehende Veranstaltungen

19. März - 06. November 2025

„Grenzregime in Bewegung – Zur Neuordnung von Europa, Migration und Arbeit zehn Jahre nach dem Sommer der Migration“ (Online-Vortragsreihe des SOFI und des Zentrums für Globale Migrationsstudien)

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15. April - 15. Juli 2025

„Antike im Zerrspiegel politischer Ideologien“ (Ringvorlesung der Freien Universität Berlin)

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8. Mai 2025

“Reimagining PEACE 2025: Building a Network in Times of Conflict” (Hybrid-Konferenz der The PEACE Research Community Europe)

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20. Juni - 21. Juni 2025

„Polarisierung. Die Spaltung der Gesellschaften“ (DGfP-Jahrestagung mit Preisverleihung “Das politikwissenschaftlich Buch 2024”)

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Veranstaltungsberichte
 Poster der Tagung mit Programmübersicht
"Transparenz – multidisziplinäre Perspektiven auf einen schillernden Begriff" (27.-28.03.2025)

Transparenz soll in der Politik zur Korruptionsbekämpfung beitragen und das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen stärken. Mit ihrer zunehmenden Umsetzung mehren sich jedoch auch Befürchtungen hinsichtlich Überwachung und Instrumentalisierung. Vor diesem Hintergrund luden der AK Korruptionsforschung von Transparency Deutschland und der AK Politik und Recht der DVPW zu einer Tagung an der Universität Kiel ein, um Chancen und Risiken von Transparenz interdisziplinär zu diskutieren.

Zum Veranstaltungsbericht
 
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