Liebe Leser*innen,
wie steht es um die Demokratie? Die Antwort auf diese Frage scheint seit einigen Jahren recht einhellig auszufallen. Die Medien überschlagen sich mit Hiobsbotschaften und auch die meisten Politikwissenschaftler*innen sind sich - bei aller Uneinigkeit über die Gründe - einig in der Einschätzung, dass „die (liberale) Demokratie“ in einer existenziellen Krise steckt. Ein Blick auf die Buchtitel der letzten Jahre lässt Böses erahnen, denn da ist von „Demokratiedämmerung“ oder gleich vom „Sterben“, der „Regression“ oder den „Krisen“ der Demokratie die Rede. Hat die Demokratie also überhaupt eine Zukunft und wie könnte diese aussehen? Was müsste geschehen, um die Demokratie krisenfest zu machen? Diesen Fragen möchten wir in unserem kommenden Schwerpunkt zur Zukunft der Demokratie nachgehen. Dabei soll es sowohl um den Begriff der Demokratie selbst als auch um wichtige aktuelle Entwicklungen gehen. Schließlich hängt die Beurteilung des Zustands und der Zukunftsaussichten der Demokratie maßgeblich mit dem zugrundeliegenden Demokratieverständnis zusammen. Dabei werden wir ein besonderes Augenmerk auf die demokratischen Institutionen und mögliche Reformoptionen legen. Und nicht zuletzt möchten wir über die Rolle der Politikwissenschaft reflektieren, die sich in der Bundesrepublik seit 1945 in weiten Teilen als Demokratiewissenschaft versteht.
Damit knüpfen wir an unseren ersten Schwerpunkt des Jahres an, der sich mit der Ausgangslage, den Ergebnissen sowie den Auswirkungen der Bundestagswahl befasst hat. Vor der Wahl skizzierte Sicherheitsexpertin Ulrike Franke die zentralen sicherheitspolitischen Herausforderungen für die künftige Bundesregierung und die Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger erklärte, wieso das BSW aus ihrer Sicht gegen das Gebot der innerparteilichen Demokratie verstößt. Werner Krause und Christina Gahn berichteten von ihrer Forschung zu der Frage, welchen Einfluss es auf den Wahlerfolg von Parteien hat, wenn sie in Umfragen vor einer Wahl unter der Sperrklausel liegen und was man als Wähler*in über die statistischen Unsicherheiten von Umfragen wissen sollte. Zudem schilderte Daniel Hellmann den langen Weg, bis ein Name auf dem Stimmzettel landet und Danny Schindler und Calixte Bloquet beschrieben, welche Rolle die wahrgenommene Attraktivität von Kandidat*innen im innerparteilichen Auswahlprozess spielt. Nach der Wahl sprachen wir noch mit dem politikwissenschaftlichen Buchpreisgewinner Lukas Haffert über die politische Geografie der Bundesrepublik und die Auswirkungen des Stadt-Land-Gegensatzes auf das Wahlergebnis. Zudem veröffentlichten wir (teilweise erstmals auf Deutsch) sechs Research Briefs des Progressive Politics Research Networks, die auf Basis des politikwissenschaftlichen Forschungsstands einige Mythen zu progressiven Parteien und ihren Wähler*innen entkräfteten.
Nachfolgend finden Sie wie gewohnt ausgewählte Beiträge aus den letzten Monaten, politikwissenschaftliche Buchempfehlungen sowie Hinweise auf bevorstehende Veranstaltungen. Wir freuen uns, wenn Sie uns gewogen bleiben und das pw-portal weiterempfehlen.
Mit den besten Grüßen
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