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3/2025

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Liebe Leser*innen, 

das pw-portal widmet sich weiterhin der Zukunft der Demokratie. Welchen Herausforderungen sehen sich demokratische Gesellschaften aktuell gegenüber und (wie) werden sie über die Gegenwart hinaus davon geprägt?

Die von Thomas Mirbach besprochene Studie von Craig Calhoun, Dilip Parameshwar Gaonkar und Charles Taylor geht zunächst der Frage nach, warum sich in etablierten Demokratien gegenwärtig ein Zerfall von demokratischen Strukturen beobachten lässt und wie hier soziale Ungleichheit, der Rückgang zivilgesellschaftlicher Teilhabe und zunehmende Polarisierung zusammenwirken.

Daneben sind Demokratien bei der Frage nach einer wirksamen und umsetzbaren Klimapolitik mit einer der größten Herausforderungen unserer Tage konfrontiert, auch wenn das Thema hierzulande derzeit in Politik und Öffentlichkeit weniger Raum einnimmt. Die von uns veröffentlichten fünf Policy Briefs des Progressive Politics Research Network (PPRNet) tragen die aktuellsten sozialwissenschaftlichen Forschungsergebnisse mit Blick auf verteilungspolitische Implikationen und ihre Auswirkungen auf die politische Tragfähigkeit von Klimamaßnahmen zusammen: Die erste Analyse von Jacob Edenhofer und Federica Genovese untersucht, wie Klimakompensationen die politische Umsetzung einer sozial ausgeglichenen und ambitionierten Klimapolitik begünstigen können. Diane Bolet und Fergus Green illustrieren am Beispiel Spaniens, dass selbst weitgehende Klimamaßnahmen wie der Kohleausstieg in der Bevölkerung auf Zustimmung stoßen können, wenn sie gerecht gestaltet, gut kommuniziert und lokal eingebettet werden. Dass die öffentliche Unterstützung für Klimapolitik stark mit dem Vertrauen in die Regierung korreliert, hat Christina L. Tönshoff untersucht. Die Resultate zu politischen Potenzialen bei der Klimamobilisierung im Beitrag von Daniel Saldivia Gonzatti und Swen Hutter zeigen zudem, dass sich selbst konfrontative Protestaktionen der Klimabewegung nicht negativ auf die Stabilität der Unterstützung für Klimapolitik auswirkten. Elsa Clara Massoc widmet sich abschließend der Frage, wieso die EU-Staaten trotz European Green Deal und dem Netto-Null-Emissionen-Ziel für 2050 zu wenig in den ökologischen Wandel investieren.

Ein politisches Phänomen, das gemeinsam mit der Krise der Demokratie weltweit zu beobachten und dennoch davon abzugrenzen ist, untersuchen Stephen E. Hanson und Jeffrey S. Kopstein: Die Rückkehr vormoderner Herrschaftsformen und die damit verbundenen Angriffe auf den professionalisierten Staat. Laut Lennard Gottmann eine „scharfsinnige“ Analyse, die dazu beiträgt, die besondere Staatsfeindlichkeit hinter dem Patrimonialismus Trumps analytisch besser zu erfassen.

Wir freuen uns, wenn Sie uns gewogen bleiben und das pw-portal weiterempfehlen.

Mit den besten Grüßen 

Ihre Redaktion 

 
Best of Beiträge
Themenfarbe Außen- und Sicherheitspolitik
Marco Overhaus im Interview: „Die zweite Trump-Präsidentschaft wird dazu führen, dass die drei Säulen der Pax Americana tatsächlich zusammenbrechen.“

Die Pax Americana bezeichnet die Zeit relativer Stabilität nach 1945, in der die USA zur global führenden Macht aufstiegen. Unter Trump verabschiedet sich Amerika vom Anspruch der Ordnungsmacht. Tanja Thomsen hat mit Marco Overhaus über den amerikanischen Frieden, sein Ende und Chancen für eine Ordnung danach gesprochen.

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Themenfarbe Demokratie und Frieden
Martyna Linartas: Unverdiente Ungleichheit. Wie der Weg aus der Erbengesellschaft gelingen kann

In Deutschland ist Vermögen ungleich verteilt und wird größtenteils vererbt. Martyna Linartas legt fundiert Gründe, Ausmaße und Folgen der somit immer weiter steigenden Ungleichheit dar und skizziert, wie eine Besteuerung von Superreichen aussehen könnte. Christoph Butterwegge lobt das Buch in seiner Rezension und fordert mit Nachdruck, die Eigentumsfrage politisch anzugehen.

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Themenfarbe Repräsentation und Parlamentarismus
Bruno Leipold: Citizen Marx: Republicanism and the Formation of Karl Marx's Social and Political Thought

Bruno Leipold zeichnet nach, wie Marx die Beschäftigung mit dem Republikanismus des 19. Jahrhunderts intellektuell prägte und welche Bedeutung er demokratischen Institutionen bei der Überwindung von sozialer Unfreiheit beimaß. Unser Rezensent Joshua Graf lobt das „wichtige“ Buch, dem es gelinge, die Spezifika des Marx‘schen "republikanischen Kommunismus" freizulegen.

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Themenfarbe Das Fach Politikwissenschaft
Hermann Adam: Finanzpolitik – Eine Einführung

Wie viel Staat braucht die Wirtschaft? Hermann Adam erklärt im Einführungswerk zwei grundlegende Modelle: den schlanken Staat mit geringen Ausgaben und niedriger Verschuldung, und den aktiven Staat, der soziale Leistungen finanziert, umverteilt und dafür auch höhere Schulden in Kauf nimmt. Verständlich, aktuell und ideal für Einsteiger*innen, so Julia Kiesow-Udwari.

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Buchempfehlungen
Foto von Michael Kolkmann

Dr. Michael Kolkmann ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Politikwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Er beschäftigt sich mit allgemeinen Fragen des Parlamentarismus und der Parteiendemokratie sowie mit dem politischen System in Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika. | Bildquelle: Michael Kolkmann

Herr Kolkmann, welches Buch sollte man gelesen haben, wenn man sich aus politikwissenschaftlicher Perspektive für die Bedeutung der Architektur von Parlamenten interessiert?

Christoph Schönberger (2022): Auf der Bank. Die Inszenierung der Regierung im Staatstheater des Parlaments.

Der politischen Architektur, insbesondere derjenigen von Parlamenten, wird in letzter Zeit immer größeres Interesse zuteil. „Demokratie muss man nicht nur leben, man muss sie auch bauen“ - so bringt es Günter Behnisch, Erbauer des gläsernen Plenarsaals am Bonner Rheinufer, auf den Punkt. Mit „Auf der Bank“ hat der Staatsrechtler Christoph Schönberger ein Werk vorgelegt, das aus gleich zwei Gründen empfehlenswert ist. Zum einen verortet er das Thema der politischen Architektur in historisch wie systematisch vergleichender Manier. Zum anderen besticht das Buch durch eine spezifische Perspektive, nämlich durch den Blick von der Regierungsbank auf das Geschehen im Plenarsaal. Indem Schönberger diese Perspektive mit der Funktionslogik verschiedener politischer Systeme verknüpft, entwirft er einen kurzweiligen und erhellenden Blick auf das Herz der Demokratie.

Foto von Tanja Thomsen

Tanja Thomsen ist Redakteurin im Portal für Politikwissenschaft. Ihre Interessen liegen in den Bereichen politische Kommunikation, Autokratieforschung sowie Außen- und Sicherheitspolitik. | Bildquelle: SW&D

Was liest die Redaktion?

Hylke Dijkstra et al. (2025): The Survival of International Organizations: Institutional Responses to Existential Challenges

Das Buch illustriert in sechs Fällen in den Policy-Feldern Entwicklung und Handel (WTO, Weltbank), Klimaschutz (Klimarahmenkonvention, Internationale Energieagentur) sowie Sicherheit und Verteidigung (NATO, OSZE), wie internationale Organisationen existentiellen Herausforderungen – Kriege, wirtschaftliche Krisen, Legitimitätsfragen etc. – begegneten. Dabei erwiesen sie sich mitnichten als träge Bürokratien und leichte Opfer, auch wenn sie sich aufgrund ihrer Verfasstheit in ihrer institutionellen Stärke unterschieden. Die Analyse, die explizit die Perspektive der Institutionen wählt, ergänzt die bestehende Forschungsliteratur zu Global Governance und Multilateralismus und dies besonders in Zeiten massiver Veränderungen in den internationalen Beziehungen.

 
Wiederentdeckt

Dirk Jörke beleuchtet in „Kritik demokratischer Praxis. Eine ideengeschichtliche Studie“ (2011) die Umkämpftheit des Demokratiebegriffs durch die Jahrhunderte anhand kritischer Texte, in denen die demokratische Praxis beanstandet und institutionelle Vorkehrungen vorgeschlagen wurden: Dazu wählt er Schriften von Thukydides, Platon und Aristoteles aus der Antike; für die sich später etablierende repräsentative Demokratie zeitgenössische Kritiken von Burke, den Federalists, Sieyes und Tocqueville und schließt seine Auswahl mit Texten von Michels, Weber, Croly und Lippmann zur modernen Massendemokratie. Thomas Mirbach lobt die „durchgehend inspirierenden Interpretationen“ Jörkes bis hin zum Befund, dass unser heutiges Verständnis von Demokratie somit eben jene prägten, die den Einfluss vieler kritisch sahen.

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Bevorstehende Veranstaltungen

24. September 2025

„Können Staaten rational sein?“ (Vortrag von Anne van Aaken im Rahmen der Reihe „Vorlesungen für alle“ an der Universität Hamburg)

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2. Oktober 2025

„DebattierBar: Warum konstruktive Debatten für die Demokratie wichtig sind“ (Beitrag der SW&D zur „Langen Nacht der Demokratie“ in Kiel)

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9. Oktober - 10. Oktober 2025

"The Future of Democracy?" (Interdisziplinäre Jahreskonferenz des WZB in Berlin)

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