Liebe Leser*innen,
das pw-portal widmet sich weiterhin der Zukunft der Demokratie. Welchen Herausforderungen sehen sich demokratische Gesellschaften aktuell gegenüber und (wie) werden sie über die Gegenwart hinaus davon geprägt?
Die von Thomas Mirbach besprochene Studie von Craig Calhoun, Dilip Parameshwar Gaonkar und Charles Taylor geht zunächst der Frage nach, warum sich in etablierten Demokratien gegenwärtig ein Zerfall von demokratischen Strukturen beobachten lässt und wie hier soziale Ungleichheit, der Rückgang zivilgesellschaftlicher Teilhabe und zunehmende Polarisierung zusammenwirken.
Daneben sind Demokratien bei der Frage nach einer wirksamen und umsetzbaren Klimapolitik mit einer der größten Herausforderungen unserer Tage konfrontiert, auch wenn das Thema hierzulande derzeit in Politik und Öffentlichkeit weniger Raum einnimmt. Die von uns veröffentlichten fünf Policy Briefs des Progressive Politics Research Network (PPRNet) tragen die aktuellsten sozialwissenschaftlichen Forschungsergebnisse mit Blick auf verteilungspolitische Implikationen und ihre Auswirkungen auf die politische Tragfähigkeit von Klimamaßnahmen zusammen: Die erste Analyse von Jacob Edenhofer und Federica Genovese untersucht, wie Klimakompensationen die politische Umsetzung einer sozial ausgeglichenen und ambitionierten Klimapolitik begünstigen können. Diane Bolet und Fergus Green illustrieren am Beispiel Spaniens, dass selbst weitgehende Klimamaßnahmen wie der Kohleausstieg in der Bevölkerung auf Zustimmung stoßen können, wenn sie gerecht gestaltet, gut kommuniziert und lokal eingebettet werden. Dass die öffentliche Unterstützung für Klimapolitik stark mit dem Vertrauen in die Regierung korreliert, hat Christina L. Tönshoff untersucht. Die Resultate zu politischen Potenzialen bei der Klimamobilisierung im Beitrag von Daniel Saldivia Gonzatti und Swen Hutter zeigen zudem, dass sich selbst konfrontative Protestaktionen der Klimabewegung nicht negativ auf die Stabilität der Unterstützung für Klimapolitik auswirkten. Elsa Clara Massoc widmet sich abschließend der Frage, wieso die EU-Staaten trotz European Green Deal und dem Netto-Null-Emissionen-Ziel für 2050 zu wenig in den ökologischen Wandel investieren.
Ein politisches Phänomen, das gemeinsam mit der Krise der Demokratie weltweit zu beobachten und dennoch davon abzugrenzen ist, untersuchen Stephen E. Hanson und Jeffrey S. Kopstein: Die Rückkehr vormoderner Herrschaftsformen und die damit verbundenen Angriffe auf den professionalisierten Staat. Laut Lennard Gottmann eine „scharfsinnige“ Analyse, die dazu beiträgt, die besondere Staatsfeindlichkeit hinter dem Patrimonialismus Trumps analytisch besser zu erfassen.
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