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1/2025

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Liebe Leser*innen,

Zukunft ist ein Gegenstand der Reflexion und Forschung in der Politikwissenschaft, der sich zuletzt zunehmender Beliebtheit erfreut. Der Januar symbolisiert dies wie kein anderer Monat – abgeleitet vom römischen Janus, der als Gott der Übergänge, Anfänge und Türen zurück in die Vergangenheit und zugleich nach vorne in die Zukunft schaut. Diese Doppelsicht spiegelt die Ambivalenz wider, die den Jahresbeginn prägt. Sie erinnert uns daran, dass jede Zukunft auf den Fundamenten der Vergangenheit aufbaut.

Daher schauen auch wir in dieser Ausgabe auf Beiträge des letzten Jahres, die sich mit Zukunft und Zeit(lichkeit) auseinandersetzen. 2024 endete bei uns mit einer Rezension, die den „Metaverlust“ an positiven Fortschritts- und Zukunftserwartungen in westlichen Demokratien sowie dessen Folgen diagnostiziert. Andere Beiträge behandelten Bücher, die die Grundzüge einer politischen Theorie von Temporalität skizzieren oder das aktuelle politische Ringen um die Zukunft beleuchten, das angesichts der Klimakatastrophe von den Topoi der Zeitknappheit und des drohenden Zukunftsverlusts geprägt ist. Ein jüngst erschienener Beitrag widmet sich ergänzend hierzu den Endzeitvorstellungen im Rechtspopulismus.

Zeitgleich befinden wir uns nach dem Scheitern der 2021 ausgerufenen „Fortschrittskoalition“ mitten im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025. So bietet sich gleich im ersten Jahresquartal die Gelegenheit, die Weichen neu zu stellen. Die verschiedenen Parteien werben für ihre Antworten auf die Frage, welche politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Visionen wir brauchen, um eine nachhaltige, gerechte und demokratische Zukunft zu gestalten. Der Bundestagswahl widmen wir daher unseren ersten Themenschwerpunkt.

Dabei beobachten wir auch dieses Großereignis aus der gewohnten politikwissenschaftlichen Perspektive entlang unserer Themenfelder und blicken unter anderem auf Fragen der Außen- und Wirtschaftspolitik sowie der Wähler*innen- und Einstellungsforschung. Nicht zuletzt treibt uns die Frage um, wie sich das deutsche Parteiensystem entwickeln könnte.

Wir freuen uns, wenn Sie uns dabei begleiten und das pw-portal weiterempfehlen.

Mit den besten Grüßen

Ihre Redaktion

 
Best of Beiträge
Themenfarbe Außen- und Sicherheitspolitik
Kari Palonen: At the Origins of Parliamentary Europe. Supranational parliamentary government in debates of the Ad Hoc Assembly for the European Political Community in 1952-1953

Hatte die westeuropäische Integration in den 1950er-Jahren die Chance auf einen supranationalen Parlamentarismus? Europäische Parlamentarier*innen konzipierten 1952 einen Entwurf für die EPG, der nie umgesetzt wurde. Kari Palonens Buch hierzu leistet laut Mechthild Roos einen „wichtigen und innovativen Beitrag zur konzeptionellen Historiografie europäischer Politik und Governance“.

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Themenfarbe Demokratie und Frieden
Samuel Salzborn: Wehrlose Demokratie? Antisemitismus und die Bedrohung der politischen Ordnung

Samuel Salzborn, Politikwissenschaftler und Antisemitismusbeauftragter Berlins, bezeichnet den Antisemitismus als „Bedrohung der öffentlichen Ordnung“ und plädiert für eine Stärkung der wehrhaften Demokratie. Unser Rezensent Michael Kohlstruck widerspricht Salzborns Argumentation energisch, denn diese habe einen „antiliberalen Grundzug“ und lasse weitere Einschränkungen des liberalen Rechtsstaats befürchten.

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Themenfarbe Repräsentation und Parlamentarismus
Brigitte Geißel: Demokratie als Selbst-Regieren: Demokratische Innovationen von und mit Bürgerinnen und Bürgern

Der Ruf nach demokratischen Innovationen ist nicht neu. Brigitte Geißel geht noch weiter und schlägt vor, die Bürger*innen auch über die Institutionalisierung demokratischer Systeme entscheiden zu lassen – durch partizipative Verfahren. Mit konkreten Vorschlägen bietet sie Inspiration für alle, die sich mit demokratischem Institutionendesign beschäftigen, so Rezensent Julian Frinken.

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Themenfarbe Das Fach Politikwissenschaft
Frieder Vogelmann: Umkämpfte Wissenschaften – zwischen Idealisierung und Verachtung

Über die Rolle von Wissenschaft in der Öffentlichkeit wird heftig gestritten. Frieder Vogelmann plädiert für ein realistisches Verständnis wissenschaftlicher Praktiken jenseits von Idealisierung und Verachtung. Nils Kumkar lobt, dass es dem Essay eindrucksvoll gelinge, den wissenschaftlichen Stand unseres Wissens über die Produktion wissenschaftlicher Wahrheiten einem breiten Publikum zu vermitteln.

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Buchempfehlungen
Foto von Frank Decker

Prof. Dr. Frank Decker lehrt am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Er befasst sich schwerpunktmäßig unter anderem mit Demokratiereformen, Rechtspopulismus im internationalen Vergleich, Parteien und den westlichen Regierungssystemen. | Bildquelle: Frank Decker

Welches Buch sollte man gelesen haben, um die Veränderungen der deutschen Parteienlandschaft in den letzten Jahren zu verstehen?

Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey (2022): Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus

Liberalismus und Autoritarismus bilden einen scheinbaren Gegensatz. Wie Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey argumentieren, nimmt die Verabsolutierung der individuellen Freiheit aber selbst autoritäre Züge an, wenn sie sich über die Rechte anderer hinwegsetzt oder diese ausblendet. Dass sich dieser staatsfeindliche Egoismus heute immer mehr ausbreitet, zeigt der Widerstand, der sich gleichzeitig und nacheinander gegen den Mainstream in vielen Politikfeldern aufgebaut hat: von den Corona-Maßnahmen über die Migrations- und Klimaschutzpolitik bis hin zur Parteinahme für die Ukraine im Konflikt mit Russland. Dieser Widerstand stellt den geistigen Nährboden für die Wahlerfolge der AfD und des neu entstandenen BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) dar.

Foto von Tanja Thomsen

Tanja Thomsen ist Redakteurin im Portal für Politikwissenschaft. Ihre Interessen liegen in den Bereichen politische Kommunikation, Sicherheitspolitik, Autokratieforschung und Osteuropa. | Bildquelle: SW&D

Was liest die Redaktion?

Patrick Thaddeus Jackson (2006): Civilizing the Enemy. German Reconstruction and the Invention of the West

Jackson zeigt, wie die USA Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Etablierung strategischer Narrative vom Feind zum westlichen Partner umformten. Er untersucht dazu, wie Erzählungen von Schuld, Rehabilitierung und Modernisierung in öffentlichen Debatten, politischen Dokumenten und kulturellen Produkten verankert wurden und erstellt eine Übersicht der Nachkriegsdiskurse. Die ‚Erfindung‘ eines Westens, der Deutschland einschloss, war für die internationale Nachkriegsordnung entscheidend. Die Analyse liefert wertvolle Einsichten in die Macht der Sprache bei der Gestaltung der internationalen Ordnung sowie des politischen Wandels und lädt dazu ein, über die Rolle von Narrativen bei der Legitimation globaler Machtstrukturen nachzudenken.

 
Wiederentdeckt

Ingeborg Maus plädiert in „Über Volkssouveränität“ (2011) mit ihrem Konzept der „Demokratisierung der Demokratie“ für eine Politik, die die „Bevölkerung“ mit einer echten Gestaltungskompetenz ausstattet. Dabei leiste sie zugleich eine fundierte Kritik an den pessimistischen Prognosen über das Ende der Demokratie in globalen und supranationalen Kontexten, wie Matthias Lemke hervorhebt. Mit dem Werk verteidigt die im Dezember 2024 verstorbene Politikwissenschaftlerin, die zweifelsfrei zu den wichtigsten deutschsprachigen Demokratietheoretiker*innen der Nachkriegszeit gehört, die gesetz- und verfassunggebende Gewalt des Volkes und konkretisiert das Prinzip der Volkssouveränität hinsichtlich seiner heutigen Bedingungen.

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Bevorstehende Veranstaltungen

18. November 2024 - 23. Januar 2025

Demokratie, Freiheit und Willensbildung – Reflexionen zur demokratischen Verantwortung in einer pluralistischen Gesellschaft (Veranstaltungsreihe der TU Berlin)

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12. November 2024 - 4. Februar 2025

Gefährdeter Zusammenhalt. Wie Abwertungserfahrungen den Blick auf die Gesellschaft prägen (Ringvorlesung der GAU Göttingen)

Zur Veranstaltung

4. Februar 2025

Die Zukunft der Demokratie als praktische Aufgabe (Vortrag von Frank Decker bei der Stiftung Wissenschaft & Demokratie)

Zur Veranstaltung

 
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